Mit dem Dienstende am 31. Dezember 2025 um 16:02 Uhr endete nach mehr als 38 Jahren und fast 90.000 Einsätzen eine Ära in Berlin. Der gelbe Rettungshubschrauber der ADAC-Luftrettung ist nach Dienstende das letzte Mal von seinem bisherigen Standort am Campus Benjamin Franklin (CBF) gestartet und hat Berlin verlassen. Damit endet auch eine besondere Geschichte in der deutschen Luftrettung.
Seit heute hat die DRF Luftrettung nun mit ihrem rot-weißen Hubschrauber die Aufgaben von Christoph 31 übernommen.
Hintergrund für den Betreiberwechsel der Rettungshubschrauberstation in Berlin war eine Ausschreibung aus dem Jahre 2019. Die zuständige Genehmigungsbehörde, die Senatsverwaltung für Inneres und Sport, hatte die Berliner Feuerwehr mit der Neuvergabe der Konzession für die gesamte Luftrettung im Land Berlin beauftragt. Das Vergabeverfahren wurde durch die Vergabestelle und den Stab Rettungsdienst der Berliner Feuerwehr vorbereitet und durchgeführt.
Nach Abschluss des Ausschreibungsverfahrens hatte sich die Senatsverwaltung für Inneres und Sport hinsichtlich der RTH-Station von Christoph 31 gegen den bisherigen Betreiber, die die ADAC Luftrettung entschieden.
Auf Nachfrage von Copterweb.de bei der Pressestelle der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, aus welchen Gründen man sich für den neuen Betreiber entschieden hatte, wurde uns durch den „Leiter Aufsicht Feuerwehr & Rettungsdienste“ nachfolgende Stellungnahme übermittelt:
Im Land Berlin ergab sich vor einigen Jahren die Notwendigkeit, den Luftrettungsdienst neu zu ordnen. Hintergrund war die Umsetzung der EU-Konzessionsrichtlinie 2014/23/EU in deutsches Recht zum 18. April 2016. Seit diesem Zeitpunkt unterliegen Dienstleistungskonzessionen – und damit auch der Luftrettungsdienst – den vergaberechtlichen Vorschriften der §§ 97 ff. GWB, sowie der Konzessionsvergabeverordnung (KonzVgV). Eine direkte Beauftragung der bisherigen Betreiber war damit rechtlich nicht mehr zulässig, es bestand die Verpflichtung ein europaweites Konzessionsvergabeverfahren durchzuführen.
Da zugleich die bestehenden Verträge mit den Betreibern der in Berlin eingesetzten Hubschrauber ausliefen, beauftragte die Senatsverwaltung für Inneres und Sport die Berliner Feuerwehr mit der Vorbereitung und Durchführung der Neuvergabe der Konzession für die gesamte Luftrettung.
Im Rahmen dieses Verfahrens hatte der Konzessionsgeber des Luftrettungsdienstes gemäß §§ 6 RDG, §§ 97 ff. GWB (Fassung 18. April 2016) und §§ 1 ff. KonzVgV (Fassung 18. April 2016) ein rettungsdienstliches Konzessionsvergabeverfahren zur Übertragung der Durchführung des Luftrettungsdienstes zur Sicherung der bedarfsgerechten Versorgung der Bevölkerung mit Leistungen der Luftrettung eingeleitet und durchgeführt. Der Betreiberwechsel zum 01.01.2026 resultiert daher aus der Zuschlagerteilung im durchgeführten Vergabeverfahren.
Wir überlassen es an dieser Stelle dem interessierten Leser, die Antwort entsprechend einzuordnen.
Rückblick auf eine besondere Geschichte in der deutschen Luftrettung
Der Hubschrauber ist schon über Berlin geflogen, als die Stadt noch geteilt war. Die besondere Geschichte von „Christoph 31“ beginnt offiziell am 13. Oktober 1987. An diesem Tage hob „Christoph 31“ erstmals zu Rettungsflügen ab. Die Luftrettung in Berlin beginnt für die damaligen Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland mit bis dahin rund 30 Hubschrauberstandorten für die zivile Luftrettung erst recht spät. Einer der Gründe für die späte Indienststellung eines zivilen Hubschraubers in Berlin war u.a. die damalige Teilung der Stadt und des damit verbundenen besonderen politischen Status. „Christoph 31“ musste bis zur Wiedervereinigung Deutschlands unter amerikanischer Flagge, einer entsprechenden Lizenz (der ADAC kooperierte mit der US-amerikanischen Gesellschaft „OMNIFLIGHT Airways Inc.“), einer amerikanischen Kennung (N4573T) und amerikanischen Piloten fliegen. Die Anfänge bzw. Versuche, einen Rettungshubschrauber in Berlin einzusetzen, gehen jedoch weit bis in die siebziger Jahre zurück. Schon damals versuchte der ADAC nach dem Vorbild anderer Bundesländer einen RTH in Berlin zu stationieren. Aber selbst Vorschläge, Anregungen und Rettungsübungen mit Militärhubschraubern brachten noch keinen Erfolg. Erst Mitte der achtziger Jahre kam wieder Bewegung in den Versuch, die Luftrettung auch nach Berlin zu bringen. Wie so oft, waren u. a. ein drastischer Anstieg der Verkehrsunfallzahlen und die Auswertung entsprechender Statistiken die Gründe.
Der Luftraum beschränkte sich bis zum Mauerfall zunächst auf ein Gebiet von etwa 488 Quadratkilometern, nämlich dem damaligen „West-Berlin“. Bei diesem Teil handelte es sich um die durch die drei westlichen Alliierten kontrollierten Sektoren. Die ersten Besatzungen mussten sich also erstes mit den Besonderheiten im Alltag eines Rettungshubschraubers einer geteilten Stadt vertraut machen. Zum einen war das Fluggebiet recht klein und es musste auf die innerdeutsche Grenze geachtet werden. Ehe man überhaupt den ersten Einsatz flog, mussten sich beide Piloten von einem US-Militärpiloten acht Stunden in die Besonderheiten von Berlin einweisen lassen. Dazu wurden u.a. die Berliner Mauer und deren Verlauf präzise einstudiert, weiterhin gab es im Westberliner Stadtteil Tiergarten ein Überflugverbot über das russische Ehrenmal. Auch das Einfliegen in die drei Bereiche der Berliner Flughäfen Tegel, Gatow und Tempelhof war nur in Absprache mit der entsprechenden Flugsicherung möglich. Zum anderen erfolgten die Starts und Landungen in engen Häuserschluchten, auf Straßenkreuzungen und öffentlichen Plätzen. Im Vorfeld des ersten Rettungseinsatzes waren daher auch entsprechende Erkundungsflüge erforderlich. Diese begannen am 1. September 1987 und gingen bis zum 12. Oktober. Der Hubschrauber war bei diesen Flügen aber nicht im Einsatz und auch noch nicht für Rettungseinsätze ausgerüstet. Offizieller Dienstbeginn des „Christoph 31” ist daher der 13. Oktober 1987.
Als die Mauer dann am 9. November 1989 fiel, verhinderten zunächst noch bestehende Bestimmungen der Alliierten die Öffnung des Luftraums Berlin und des Umlandes für „Christoph 31“. Erst am 1. April 1990 erfolgte die Freigabe und „Christoph 31“ überflog zum ersten Mal den nun bedeutungslos gewordenen Grenzstreifen an der Waltersdorfer Chaussee. Am 20. April 1990 wurde das Einsatzgebiet nun auch offiziell erweitert, nachdem vorher bereits mehrere Probeeinsätze im ehemaligen Ost-Berlin und Umland geflogen wurden. Noch bis zum September 1992 flog „Christoph 31“ unter amerikanischer Flagge und im Namen der „OMNIFLIGHT Airways Inc.“.
Wissenswertes rund um die eingesetzten Maschinen und andere Besonderheiten
Der erste Hubschrauber selbst kam damals auch nicht in der Luft nach Berlin, sondern in Einzelteile zerlegt über die Transitautobahn. Es standen zwar verschiedene sogenannte Luftkorridore von und nach Berlin für die westlichen Alliierten zur Verfügung, diese waren jedoch in den Verhandlungen nach Kriegsende nur für Flugzeuge ausgehandelt worden. Aus diesem Grunde wurde der Straßentransport für die BO105 nötig. Im Hinblick auf die Belange einer Großstadt mit den bereits genannten Hindernissen erhielt die Maschine vom Typ MBB/Eurocopter BO105S ein um 25 Zentimetern höheres Kufenlandegestell. Auch mit der Umstellung auf eine deutsche Zulassung und später eine BO105 CBS-5 behielt man das höhere Landegestell für Berlin bei.
Da ein Ersatzhubschrauber in Berlin nicht zur Verfügung stand, wurden bei schlechten Wetterverhältnissen oder bei Ausfall des Hubschraubers wegen evtl. Reparaturen sowie auch nötigen Wartungsarbeiten Einsätze mit einem Notarztwagen gefahren. Dieser war dann mit den sonst auf dem Hubschrauber eingesetzten Rettungsassistenten und Notärzten besetzt. 1989 wurde „Christoph 31“ gleich zwei Mal
innerhalb von vier Monaten unschuldig Unfallbeteiligter. Im Januar war es ein Müllfahrzeug der Berliner Stadtreinigung und im Mai ein Kleinlaster, der für einen mehrtägigen Totalausfall der Berliner Luftrettung sorgte.
Die erste und lange Zeit einzige in Berlin eingesetzte BO105CBS-4 flog von 1987 bis September 1992 offiziell unter amerikanischer Flagge und dem amerikanischem Kennzeichen „N4573T“. Mit der jährlichen Überprüfung des Hubschraubers im September 1992 endete die Zusammenarbeit mit der „OMNIFLIGHT Airways Inc.“. „Christoph 31“ bekam eine deutsche Kennung („D-HEIM“) und flog nunmehr auch mit den schwarzen Buchstaben des ADAC an der Seite. „Christoph 31“ war nun „echter Berliner”!
Da die jährliche Überprüfung und der Wechsel auf die deutsche Zulassung einen etwas längeren Zeitraum in Anspruch nahm, wurden Rettungseinsätze im September 1992 erstmalig und bis heute auch als Ausnahme mit einer BK117 (D-HBND) der ADAC Luftrettung geflogen. Da den Berliner Piloten das entsprechende Type-Rating für dieses Muster fehlte, wurde die Maschine mit Gastpiloten des ADAC geflogen. Die Berliner Piloten waren jedoch bei allen Einsätzen dabei und flogen jeweils auf dem linken vorderen Sitz mit. Die Notärzte und Rettungsassistenten nahmen hingegen die hinteren Plätze ein. Für die Rettungsassistenten dürfte diese Zeit sicher ungewohnt gewesen sein, da sie ja sonst als HEMS Crew Member den Piloten im Bereich der Kommunikation und Navigation unterstützten. Ob der Wechsel auf eine BK117 für Berlin geplant war, sei dahingestellt. Die Maße und die größere Gewichtsklasse konnten damals nicht überzeugen und so gab es auch keinen Wechsel, die bewährte BO105 blieb.
Im November 2001 erfolgte dann in Berlin der Wechsel auf ein neues Hubschraubermuster. Die bisherige BO105 wurde durch einen modernen Eurocopter EC135 P2 ersetzt. Dieser Hubschrauber ist leiser, schneller und geräumiger. Die erste in Berlin eingesetzte EC135 erhielt auch passend die Kennung „D-HBLN“. Die BO105 diente bis zur endgültigen Außerdienststellung bei der ADAC Luftrettung noch als BackUp und stand dafür am Flugplatz in Halle-Oppin bereit.
Eine der in Berlin eingesetzten wurde übrigens im Jahr 2007 am Feuerwehrmuseum Berlin auf einen Denkmalssockel gehoben. Sie trägt wieder das ursprüngliche Originaldesign aus dem Jahre 1987 mit der alten Registrierung, dem Omniflight-Aufklebern und der amerikanischen Flagge auf der Seite. Sie ist seit dem in der Berliner Straße ein spektakulärer Blickfang.
Was viele nicht wissen dürften, diese BO105 war bereits im Mai 2004 in der Öffentlichkeit zu sehen. Sie war Gast auf der damaligen ILA 2004 in der Zeit vom 10. bis zum 16. Mai 2004. Sie stand auf einer Freifläche in der Nähe des ILA-Konferenz- und Pressezentrums und wies den Besuchern den Weg zum damaligen ILA HeliCenter. Schon damals wollte die ADAC Luftrettung an die wechselhafte Geschichte in der Berliner Luftrettung erinnern. Und noch eine Besonderheit gibt es zu dieser alten BO105 zu erzählen. Bei der Maschine handelt es sich nicht um die ursprünglich in Berlin eingesetzte BO105 mit der Kennung „D-HEIM“, sondern um die BO105 „D-HOFF“, welche bei einem Einsatz als Christoph 19 (Uelzen) durch ein Fahrzeug am Heck schwer beschädigt wurde. Sie wurde damals mühevoll restauriert und ist so der Nachwelt erhalten geblieben. Immerhin, die „D-HOFF“ ist seinerzeit als Christoph 31 in Berlin im Einsatz gewesen. Die ursprünglich in Berlin von 1987 bis ca. 1998 eingesetzte BO105 flog nach ihrem Abschied aus Deutschland noch viele Jahre in Spanien und Chile.
Ein weiterer Höhepunkt erfolgte am 20. Juni 2002 mit der Einweihungsfeier des neuen Hangars. Musste doch bis dahin der Rettungshubschrauber täglich am Morgen vom Flughafen Tempelhof nach Berlin-Steglitz und am Abend wieder zu seinem Nachtquartier geflogen werden. Nicht nur der zusätzliche Lärm und die entsprechend höheren Kosten sind entfallen, auch kleinere Wartungsarbeiten konnten nun im Hangar kurzfristig erledigt werden. Der neue Hangar bot aber nicht nur dem Hubschrauber seinen eigenen Platz, sondern auch der Besatzung neue Sozialräume. Darüber hinaus war ab sofort eine integrierte Betankungsanlage vor Ort vorhanden.
Seit Januar 2009 flog die „D-HDEC“ als Stammmaschine in Berlin, die testweise mit dem Sandfilter Centrisep von Pall ausgestattet war. Die anderen EC135 der ADAC Luftrettung wurden seit 2010 schrittweise mit dem Sand- und Partikelfilter Inlet Barrier Filter (IBF) von Eurocopter ausgerüstet, der mit einem anderen Wirkprinzip als der Centrisep arbeitet. Die
in Berlin eingesetzte EC135 D-HDEC war nicht nur wegen ihrer einmaligen Sandfilter aus der Erprobungszeit für unterschiedliche Systeme äußerlich auffällig. An ihr war das bislang einzige mittelhohe Kufenlandegestell montiert, mit dem weitergehende Erkenntnisse für zusätzliche Bodenfreiheit speziell für den Fenestron beim Einsatz in der Stadt gewonnen werden sollten.
Seit Juni 2012 flog dann als „Stamm-Maschine” die D-HBYH (SN: 0100). Es handelt es sich um einen der drei Hubschrauber, die die ADAC Luftrettung von der bayerischen Polizei übernommen hatte. Die EC135 P2 besitzt ein so genanntes Glascockpit (EFIS) sowie Inlet Barrier Filter (IBF), ist mit Autopilot und Wetterradar ausgerüstet und außerdem für den Betrieb für Night Vision Goggle (NVG) zugelassen. Erster Einsatzpilot auf dem neuen Hubschrauber war Gary Dean McKinney, das erfahrene “Urgestein” der Berliner Luftrettung. Wie die anderen Piloten und HEMS Crew Member (HCM) auch hatte er in der Woche zuvor in Leipzig eine ausgiebige Einweisung in den neuen Hubschrauber mit seinen Besonderheiten erhalten.
Am 21. Juni 2018 erfolgt der Umzug zum Flughafen Schönefeld bzw. BER aufgrund des Umbaus des Charité Landeplatzes in Steglitz. Dem Hubschrauber und der Crew standen ein Zelthangar sowie eine Station mit Arbeits- und Ruheräumen zur Verfügung. Die Unterstützung seitens des Flughafens war laut ADAC Luftrettung hervorragend. Aus den zunächst geplanten 15 Monaten wurden am Ende dann etwas mehr als 20 Monate. Am 25. Februar 2020 kehrte „Christoph 31“ nach Steglitz zurück. Nach 615 Tagen in Schönefeld konnte nun wieder vom modernisierten Landeplatz des Charité Campus Benjamin Franklin aus geflogen werden. Die erste Landung am 25. Februar erfolgte übrigens mit einem Patienten an Bord.
Das Jahr 2020 war aber auch noch aus einem anderen Grund bemerkenswert. Am 20. Juli erhält „Christoph 31“ als erste ADAC Luftrettungsstation den zu dieser Zeit modernsten Rettungshubschrauber der Welt vom Typ H135 mit dem Kennzeichen D-HXCA. Der neue „Christoph 31“ ersetzte die bis dahin geflogene EC135 P2. Nach letzten Einweisungen vor Ort wird die Maschine am 12. August in den Einsatzdienst übernommen. Als weitere H135 flog später auch die D-HXCB längere Zeit in Berlin. Seit Anfang 2025 führte „Christoph 31“ das neue Wasserrettungsmittel „Restube“ an Bord mit. Eine großangelegte Übung im Mai wurde mit allen Berliner Wasserrettern durchgeführt. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Bereits im Juli rettete die Crew des „Christoph 31“ ein Menschenleben mit dem neuen System am Berliner Weißen See.
„Christoph 31 Bravo“
Wer sich für die Luftrettung interessiert, der wusste um die seit dem Jahr 1999 stetig gestiegenen Einsatzzahlen in Berlin. In den Jahren nach 1998 gab es kein Jahr mehr unter 2.000 Einsätze. Was für Berlin und das Umland eine schnelle Versorgung bedeutete, war lange Zeit für die jeweiligen Hubschrauber-Crews ein Fliegen an der Leistungsgrenze. Schon seit längerem wurde in diesen Jahren überlegt, wie man „Christoph 31“ entlasten könnte. Im Zusammenhang mit der Fußball-WM 2006 wurde daher in Berlin von April bis Juni für rund drei Monate ein zweiter Rettungshubschrauber mit dem Namen „Christoph 31 Bravo“ am Bundeswehrkrankenhaus in Mitte stationiert. „Christoph 31 Bravo“ absolvierte in diesem kurzen Zeitraum zwar 595 Einsätze, für die dauerhafte Stationierung eines zweiten RTH in Berlin sahen die Verantwortlichen in Politik und bei den Krankenkassen jedoch keinen Bedarf. Als einer der Gründe wurde u.a. der am Unfallkrankenhaus Marzahn stationierte Intensivtransporthubschrauber „Christoph Berlin“ genannt, der im Bedarfsfall auch als Rettungshubschrauber ersatzweise zu Primäreinsätzen eingesetzt werden kann.
Die vorübergehende Stationierung wurde damals durch eine gemeinsame Initiative der ADAC Luftrettung, der Berliner Feuerwehr, der Berliner Charité und nicht zuletzt durch das Bundeswehrkrankenhaus Berlin möglich. Die eingesetzte Maschine war wie auch „Christoph 31“ eine EC135 und wurde ebenfalls von der ADAC Luftrettung gestellt. Die Piloten für „Christoph 31b“ kamen von der bisherigen Stamm-Maschine aus Berlin-Steglitz. Die medizinische Crew hingegen war aus dem Bundeswehrkrankenhaus und der Berliner Charité. Entsprechende Kooperationen waren schon aus Hamburg, Koblenz und Ulm bekannt. Auf dem regulären „Christoph 31“ in Berlin-Steglitz flogen in dieser Zeit Piloten aus anderen ADAC-Stationen. Sie wurden von der bisherigen medizinischen Crew
unterstützt. So konnten auch die bisher gemeinsam erworbenen Erfahrungen auf zwei Rettungshubschraubern genutzt werden. Nachts wurde die zweite EC135 übrigens auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel abgestellt. Der Hangar an der regulären RTH-Station hat nur Platz für einen Hubschrauber.
Die verschiedenen Hubschraubermodelle und Stamm-Maschinen bzw. länger in Berlin eingesetzte Hubschrauber
Früher gab es noch so etwas wie Stamm-Maschinen an den verschiedenen Rettungshubschrauberstandorten. Die klassische Stamm-Maschine gibt es inzwischen leider nicht mehr. Gleichwohl kann man aber feststellen, dass der eine oder andere Hubschrauber durchaus auch für einen längeren Zeitraum an der jeweiligen RTH Station im Einsatz ist.
Nachfolgend haben wir in die Vergangenheit geschaut und die verschiedenen Zeiträume der Hubschraubermodelle sowie Stamm-Maschinen bzw. länger in Berlin eingesetzten Hubschrauber zusammengestellt:

Nachfolgend einige der in fast vier Jahrzehnten in Berlin eingesetzten Hubschrauber. Dabei haben wir festgestellt, dass wohl mindestens 35 verschiedene Hubschrauber in Berlin zum Einsatz kamen. Einige blieben länger, einige Helis waren nur für wenige Tage als “Christoph 31“ im Einsatz.
![]() Maschinentausch 2001 D-HLFB und D-HBLN |
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Wenn verschiedene Generationen an Hubschraubern an einem Standort eingesetzt werden, kann man manchmal auch die gleiche Kennung an verschiedenen Hubschraubern beobachten. So waren nachfolgend folgende Kennungen sowohl an der BO105 wie auch an der EC135 zu beobachten:
Rückblick auf die Einsatzzahlen
Über die Einsatzzahlen von „Christoph 31“ ist in den letzten Jahrzehnten immer wieder erstaunliches berichtet worden. So verzeichnete die Station im Jahre 2015 unglaubliche 3.838 Einsätze und war damit der meistgenutzte Rettungshubschrauber der Welt. In der Folge der immer höheren Einsatzbelastung der Besatzungen und der gesetzlichen Dienstzeitbegrenzung wurde seinerzeit in den Sommermonaten ein Zweischichtmodell eingeführt. „Christoph 31“ war nun täglich länger für die Menschen in Berlin und Brandenburg im Einsatz. Bemerkt werden darf aber, dass „Christoph 31“ weiterhin nur am Tage im Einsatz war. Es bestand bzw. besteht eine Verfügbarkeit von Sonnenaufgang, jedoch frühestens ab 7:00 Uhr, und längstens bis Sonnenuntergang. Sog. Randflugzeiten, wie sie heute zum Beispiel bei „Christoph 100“ existieren, gab es damals noch nicht. Bis heute fliegt „Christoph 31“ seine Einsätze nur am Tage. Im Juni 2011 wurde der 50.000 Einsatz, im Juni 2019 bereits der 75.000 Einsatz und im September nun der 89.000 Einsatz absolviert.
Die nachfolgende Übersicht zeigt alle Einsätze bis 2025. Wir bitten zu beachten, dass die Einsatzzahl für 2025 noch vorläufig und nicht abschließend ist:
Informationen zu den Crews
Als „Christoph 31“ seinen Dienst 1987 aufnahm, bestand die Crew aus einem Piloten von Omniflight Airways, einem Notarzt des CBF und einem Rettungssanitäter bzw. Flughelfer (heute TC-HEMS). Damit der Hubschrauber überhaupt fliegen durfte, waren zwei amerikanische Piloten, in den ersten Wochen Charles Roberts und Roger Gore, ab Dezember 1987 Gary Dean McKinney aus Houston/Texas und Ernest Johannes
Ross aus New York im wöchentlichen Wechsel im Einsatz. Die Rettungssanitäter, die von der ADAC-Luftrettung eine Zusatzausbildung zum Flughelfer erhielten, mussten zur Sicherstellung einer reibungslosen Kommunikation auch über englische Sprachkenntnisse verfügen. Für die Notärzte, die vom CBF (damals noch Klinikum Steglitz der Freien Universität Berlin) gestellt wurden, gab es damals zunächst drei Planstellen.
Bis 31. Dezember 2025 war „Christoph 31“ zuletzt bei seinen Einsätzen mit jeweils einem von der ADAC Luftrettung gestellten Piloten und Notfallsanitäter sowie einem von der Charité gestellten Notarzt besetzt. Für den Dienstbetrieb standen in der Regel drei feste Piloten, etwa zwölf Notärzte und vier Notfallsanitäter im Wechsel zur Verfügung. Im Zweischichtbetrieb waren es dann bis zu vier Piloten. Die Notfallsanitäter gehörten als HEMS Technical Crew Member zur Hubschrauberbesatzung und unterstützten den Piloten im Bereich der Kommunikation und Navigation. Eine wesentliche Änderung erfolgte bei ihnen noch mit dem Jahreswechsel 2016/2017. Da wechselte seinerzeit die Stellung durch den DRK-Landesverband Berliner Rotes Kreuz e.V. zur ADAC Luftrettung.
In rund vier Jahrzehnten sind in Berlin unzählige Piloten, Notärzte und Rettungssanitäter (TC-HEMS) im Einsatz gewesen. Sie alle aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen. Sie alle haben mit einem hohen Engagement, ihrer Professionalität und ihrem unermüdlichen Einsatz über viele Jahrzehnte dazu beigetragen, unzählige Menschenleben zu retten. Und wir zitieren gerne einen Satz aus der der Historie der ADAC Luftrettung: „Zurück bleibt das einzigartige Vermächtnis von „Christoph 31“ als Pionier, Unikat und Weltmeister der Luftrettung in Deutschland.“
Abschied
Die Station und die ADAC Luftrettung haben sich in den letzten Wochen mit verschiedenen Veranstaltungen aus Berlin verabschiedet. So fanden ein Spotterday, ein Grillfest für alle früheren und aktuellen Crew-Mitglieder sowie weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Station und abschließend am 28 November eine offizielle Verabschiedungsfeier im Hangar von „Christoph 31“ mit zahlreichen Vertretern des Kooperationspartners Charité, von Behörden, Politik und Rettungsdienstorganisationen statt. Bei allen Veranstaltungen war die Resonanz groß und insbesondere zum Grillfest waren bis auf wenige Ausnahmen fast alle Generationen von 1987 bis 2025 noch einmal vor Ort. Als Erinnerung wurde darüber hinaus auf Initiative der Station im Oktober ein Erinnerungsbaum hinter der Station gepflanzt.
Abschließend möchten wir uns vielmals bei Daniel Bujack, Norbert Möller, Marian Lindner und Nico Hellman für die Unterstützung mit Informationen, Bilddokumenten und so manchen Erläuterungen bedanken. Unvergessen auch Werner Wolfsfellner vom gleichnamigen Werner Wolfsfellner Medizin Verlag, der viel zu früh verstorben ist. Ein Mann, der über ein unerschöpfliches Wissen rund um die Luftrettung im Allgemeinen, aber auch über die Berliner Luftrettung verfügte und uns jederzeit daran teilhaben ließ.
Autoren: Rolf Klukowski, Berlin
Werner Latten, Berlin





























