Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin besuch­te „Christoph 48“ in Neustrelitz

Am heu­ti­gen Freitag besuch­te Stefanie Drese, Ministerin für Soziales, Gesundheit und Sport in Mecklenburg-Vorpommern, die ADAC Luftrettungsstation in Neustrelitz. Die Ministerin infor­mier­te sich dort über die Arbeit der Crew des ADAC Rettungshubschraubers „Christoph 48“. Darüber hin­aus ging es um die aktu­el­len Herausforderungen der not­fall­me­di­zi­ni­schen Versorgung aus der Luft. Der Ministerin stand u.a. als Gesprächspartner Steffen Arnold-Batschke, Pilot und Leiter der Luftrettungsstation zur Verfügung.

Bei einem regen Gedankenaustausch beton­te Stefanie Drese, dass der Luftrettung als Ergänzung des boden­ge­bun­de­nen Rettungsdienstes eine wich­ti­ge Aufgabe im Gesundheitswesen eines dünn besie­del­ten Flächenlandes wie Mecklenburg-Vorpommern zukom­me. „Durch die zuneh­men­de Spezialisierung der Krankenhäuser und die ver­bes­ser­ten Behandlungsmöglichkeiten etwa bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt es im Rettungsdienst auf jede Minute an, wenn die Patientinnen und Patienten in das geeig­ne­te Krankenhaus trans­por­tiert wer­den. Deshalb sind gut funk­tio­nie­ren­de und flä­chen­de­cken­de Luftrettungskapazitäten enorm wich­tig für eine best­mög­li­che medi­zi­ni­sche Versorgung der Bevölkerung.“ Gesprochen wur­de u.a. auch über die Vorteile einer mög­li­chen Randzeitenerweiterung in der Luftrettung.

Bei der Besichtigung des Rettungshubschraubers konn­te sich die Ministerin auch ein seit eini­ger Zeit auf allen Hubschaubern der ADAC Luftrettung neu ein­ge­führ­tes Rettungsmittel, dem inno­va­ti­ven Rettungssystem “Restube auto­ma­tic”, näher anse­hen. Die selbst­auf­bla­sen­de Boje schließt dabei eine bis­lang bestehen­de Lücke in der pro­fes­sio­nel­len Wasserrettung. Restube auto­ma­tic ist ein kom­pak­tes Kleinwurfgerät, das viel­sei­tig ein­setz­bar ist. Es kann Verunglückten und sich in Wassernot befin­den­den Personen aus siche­rer Entfernung zuge­wor­fen oder bei einer Drohnen- bzw. Hubschraubergestützten Wasserrettung ver­wen­det wer­den. Die Boje bläst sich bei Wasserkontakt auto­ma­tisch auf und bie­tet in Sekunden hilf­rei­chen Auftrieb. Dadurch wird für die ver­un­fall­te Person im Wasser wert­vol­le Zeit bis zur eigent­li­chen Rettung gewon­nen. Restube auto­ma­tic kann mehr­fach ver­wen­det wer­den. Nach einem Einsatz lässt sich die Sicherheitsboje ganz ein­fach wie­der start­klar machen: Luft ablas­sen, neue CO2-Patrone ein­set­zen, Auftriebskörper ent­spre­chend der auf­ge­druck­ten Anleitung zusam­men­fal­ten, das Ganze in der Tasche ver­stau­en. Die Hubschrauber der ADAC Luftrettung sind mit vier Restube auto­ma­tics aus­ge­stat­tet.

Die ADAC Luftrettung betreibt die Station in Neustrelitz seit 1. Juli 2006. Zuvor war dort zehn Jahre lang das Bundeswehr Lufttransportgeschwaders 62 mit einem Hubschrauber des Typs Bell UH-1D als SAR 93 Neustrelitz für die schnel­le Hilfe aus der Luft zustän­dig. Für den Rettungsdienst in der Region steht ein Helikopter des Typs EC135 täg­lich von Sonnenaufgang (frü­hes­tens 7 Uhr) bis Sonnenuntergang zur Verfügung. Die Station liegt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, des­sen Einsatzgebiet nicht nur wei­te Teile der Mecklenburgischen Seenplatte umfasst, son­dern auch bis ins nörd­li­che Brandenburg (Wittstock, Rheinsberg, Templin) reicht.

Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­de „Christoph 48“ zu 1126 Notfalleinsätzen alar­miert. Die Crew besteht bei einer Alarmierung aus einem Piloten der ADAC Luftrettung, einem Notarzt oder einer Notärztin des DRK-Krankenhauses Mecklenburg-Strelitz sowie einem Notfallsanitäter oder einer Notfallsanitäterin des DRK Kreisverbandes Mecklenburgische Seenplatte e.V..

Koordiniert wer­den die Einsätze von der Integrierten Leitstelle Mecklenburgische Seenplatte in Neubrandenburg. Aufgabenträger ist das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport, ver­tre­ten durch den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Häufigste Einsatzgründe waren im ver­gan­ge­nen Jahr mit 34 Prozent Notfälle des Herz-/Kreislaufsystems, gefolgt von Unfallverletzungen mit 23 Prozent. 12 Prozent der Einsätze waren neu­ro­lo­gi­sche Notfälle, zehn Prozent Notfälle des Atmungssystems und neun Prozent inter­nis­ti­sche Erkrankungen.

Aktueller Sachstand zur geplan­ten Rettungshubschrauberstation in Pampow (Landkreis Ludwigslust-Parchim)
Auf Nachfrage von copterweb.de infor­mier­te Ministerin Drese bei ihrem Besuch in Neustrelitz auch über die Entscheidung des Landes, die Luftrettungskapazitäten in Mecklenburg-Vorpommern aus­zu­bau­en: „Wir wol­len die medi­zi­ni­sche Versorgung mit einem vier­ten RTH wei­ter stär­ken“, so Drese. „Dieser soll süd­öst­lich von Schwerin in Pampow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) ange­sie­delt wer­den, da die drei RTH an den Standorten Güstrow, Greifswald und Neustrelitz die Region im süd­li­chen Westmecklenburg unzu­rei­chend abde­cken. „Dafür wird im Ministerium gera­de das Ausschreibungsverfahren vor­be­rei­tet“, sag­te die Ministerin. Zum Ausschreibungsverfahren und einem ent­spre­chen­den Zeitpunkt einer Indienststellung konn­te sie aber noch nichts sagen.

Autoren: Rolf Klukowski und Werner Latten, Berlin

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