30 Jahre Luftrettung in Neustrelitz

30 Jahre Luftrettung in Neustrelitz, davon 20 Jahre in Gelb. Ein guter Grund die­ses Ereignis zu fei­ern. Gestern fand dazu ein Festakt sowie ein Tag der offe­nen Tür an der Station des Christoph 48 statt. Zahlreiche Gäste und ehe­ma­li­ge Piloten, Rettungsassistenten und Ärzte waren gekom­men, um der Feier bei­zu­woh­nen.

Getrübt wur­de die fei­er­li­che Stimmung rund um einen gro­ßen Tag der offe­nen Tür der Blaulichtfamilie von der fast zeit­glei­chen Debatte um das geplan­te GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das einen star­ren Kostendeckel auch für die schnel­le Hilfe aus der Luft ent­hält. Aus die­sem Grund konn­te die Ministerin für Soziales, Gesundheit und Sport in Mecklenburg-Vorpommern, Stefanie Drese, nicht an der Veranstaltung teil­neh­men.

Der Landrat des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, Thomas Müller, blick­te in sei­nen Grußworten auf die Vergangenheit der Station zurück. „30 Jahre Luftrettung ist har­te Arbeit.“ Weiter beton­te er: „Die Luftrettung ist kei­ne Ergänzung, denn Zeit bedeu­tet Leben“.
Müller beschrieb die Anfänge der Luftrettung in Neustrelitz und führ­te aus, dass der dama­li­ge Rettungshubschrauber von der Bundeswehr mit einer Bell UH-1D betrie­ben wur­de. SAR 93, wie der Hubschrauber anfangs hieß, war bereits drei Jahre in der Landeshauptstadt Schwerin sta­tio­niert, bevor er 1996 nach Neustrelitz ver­legt wur­de. Dort flog der Helikopter des Typs Bell UH-1D rund 8.200 Einsätze — bis die Bundeswehr/Luftwaffe im Sommer 2006 den letz­ten zivi­len Luftrettungsstandort in Deutschland an die gemein­nüt­zi­ge ADAC Luftrettung über­gab. Seither heißt der Hubschrauber „Christoph 48“ und ist gelb — und die Maschine des Typs EC 135 von Airbus Helicopters moder­ner, schnel­ler, siche­rer und lei­ser als ihr Vorgänger. 

Auch Dr. Norbert Dietrich, Ärztlicher Direktor des DRK-Krankenhauses Mecklenburg-Strelitz schau­te in sei­ner humor­vol­len Rede auf die Anfänge der Luftrettung zurück. Er erzähl­te, dass Schreibtische, Akten, Schränke, etc. mit dem Hubschrauber von Schwerin nach Neustrelitz trans­por­tiert wur­den. Es fehl­te eigent­lich nur noch die Zimmerpflanze. Der Hubschrauber wur­de nach den Vorstellungen der Crew ein­ge­rich­tet. Das ent­sprach aber nicht den Vorschriften der Bundeswehr und muss­te wie­der aus- und umge­bau­te wer­den. Auch besaß der Hubschrauber einer Winde. Diese wur­de in den 10 Jahren gan­ze 3 mal ein­ge­setzt. Die Luftrettung hat sich in den 30 Jahren ver­än­dert, aber die Arbeit auf dem Christoph 48 war immer etwas Besonderes. Weiter ging Dietrich auch auf die Erweiterung der Randzeiten ein. Aus sei­ner Sicht bestehe im Landkreis kei­ne Notwendigkeit dazu.

Uwe Jahn, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Mecklenburgische Seenplatte mach­te eben­falls eine Reise in die Vergangenheit. Die Station in Neustrelitz war noch nicht fer­tig gebaut und die Crew war als Provisorium beim 400 Meter ent­fern­ten Bundesgrenzschutz unter­ge­bracht. Bei einem Einsatz muss­te die Crew in einem klei­nen Ford Escort zur Station fah­ren. Die Fahrt dort­hin war gefähr­li­cher als der Flug.

Als letz­ter Redner führ­te der Vorsitzende der ADAC-Luftrettung Frédéric Bruder aus, dass die Luftrettung in Deutschland einen beson­de­ren Einsatz leis­te. Gerade die HEMS-TC (Helicopter Emergency Medical Services Technical Crew Member) sind die Säulen in der Luftrettung. Sie unter­stüt­zen den Piloten wäh­rend des Fluges, den Arzt bei der Behandlung des Patienten und sind immer bei der Reinigung des Hubschraubers invol­viert. Ihnen dank­te Bruder beson­ders.
Wie bereits erwähnt kämpft die Luftrettung mit dem GKV-Gesetz. Die von der Bundesregierung geplan­ten Einsparungen gefähr­den die Arbeit der Luftrettung. „Die Reform sorgt für eine dau­er­haf­te Unterfinanzierung der Luftrettung und gefähr­det so die Notfallversorgung ins­ge­samt, warn­te Bruder. Die Aufgabenträger haben bei den Ausschreibungen immer grö­ße­re Forderungen, die für die Betreiber mit hohen Kosten ver­bun­den sind. Deshalb hat sich die ADAC-Luftrettung auch bei der­zeit lau­fen­den Ausschreibungen nicht betei­ligt. Beispielsweise wird immer wie­der das grö­ße­re Hubschraubermuster AIRBUS H145 ver­langt, obwohl die­ser nicht zwang­läu­fig not­wen­dig sei. Bruder führ­te aus, dass der preis­li­che Unterschied, wenn bei­spiels­wei­se in Neustrelitz statt der ein­ge­setz­ten H135 eine H145 ein­ge­setzt wür­de, 1 Millon Euro pro Jahr betra­gen wür­de.
Auch Bruder sprach die Randzeitenerweiterung an. Er ist der Meinung, dass nicht an allen Stationen eine 24/7-Verfügbarkeit nötig sei, aber er ist ein Verfechter der Einsatzzeiten von 6 bis 22 Uhr.
Zum Schluss bedank­te Bruder sich bei den Familien der Crews, denn ohne ihr Verständnis sei die Arbeit der Luftrettung nicht mög­lich.

Auch die Crew des Neustrelitzer Hubschraubers kam zu Wort. Sie ver­an­stal­te­ten ein unter­halt­sa­mes Wissensquiz zum Thema Christoph 48 und Luftrettung all­ge­mein.




Um 14 Uhr begann dann der Tag der offe­nen Tür für die Bevölkerung. Neben dem Hubschrauber und der Luftrettungsstation, konn­ten auch die Rettungsfahrzeuge des Deutschen Roten Kreuzes besich­tigt wer­den. Der ADAC hat­te sein Überschlagssimulator auf­ge­baut und auch für das leib­li­che Wohl war gesorgt.

Die Redaktion Copterweb.de gra­tu­liert dem Christoph 48 recht herz­lich zum Jubiläum, wünscht wei­ter­hin viel Erfolg bei ihrer Arbeit und immer eine siche­re Heimkehr.

Autor: Werner Latten, Berlin

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