Die Intensivtransporthubschrauber Christoph Gießen und Christoph Mittelhessen flie­gen auch in Zukunft für Hessen

Das Land Hessen hat der Johanniter Luftrettung die Dienstleistungskonzession zur Durchführung der Luftrettung in Form des ITH-Systems bis min­des­tens zum Jahr 2032, ver­län­ger­bar durch die Auftraggeberin bis zum Jahr 2036, erteilt. „Das bedeu­tet Kontinuität für Hessen, bewähr­te Strukturen für Kliniken und Leitstellen. Für uns als Organisation sowie ins­be­son­de­re für unse­re Mitarbeitenden bedeu­tet es Arbeitsplatz- und Planungssicherheit“, erklärt Oliver Meermann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Johanniter Luftrettung und Bundesvorstandsmitglied der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. „Der Zuschlag sichert die luft­ge­bun­de­ne Intensivversorgung in Hessen auf dem bewähr­ten hohen Niveau und gibt dem gesam­ten System eine soli­de Grundlage für die Zukunft“, fügt Frank Zabell, Geschäftsführer der Johanniter Luftrettung und Hubschrauberpilot, hin­zu.

Ein System, das jede Anforderung meis­tern kann
Am Luftrettungszentrum Gießen und dem Luftrettungsstandort Reichelsheim betreibt die Johanniter Luftrettung ein in die­ser Form deutsch­land­weit ein­zig­ar­ti­ges System: Die Hubschrauber „Christoph 90 Gießen“ und „Christoph 91 Mittelhessen“ sind als System so auf­ge­stellt, dass sie jeg­li­che Intensivtransporte durch­füh­ren und bei Bedarf auch zu Notfalleinsätzen alar­miert wer­den kön­nen. Die bei­den Hubschrauber unter­schei­den sich in Größe, Kapazität und Einsatzschwerpunkten und kön­nen so jede Anforderung bedie­nen. Während Christoph Gießen die Hauptmaschine dar­stellt, die rund um die Uhr für Intensivverlegungen und Notfalleinsätze (soge­nann­te Sekundär- und Primärtransporte) ein­satz­be­reit ist, fun­giert Christoph Mittelhessen im Tagbetrieb als Ergänzungs- und Verstärkermaschine mit Schwerpunkt auf plan­ba­re Intensivtransporte, oft mit beson­de­ren Herausforderungen. Die Maschine aus der Wetterau ver­legt Patientinnen und Patienten nicht sel­ten über meh­re­re hun­dert Kilometer hin­weg, in Spezial- oder Rehakliniken. Diese Einsätze dau­ern oft meh­re­re Stunden. Gegenüber der Hauptmaschine in Gießen vom Typ Airbus H 145 D3, dem aktu­ell moderns­ten Hubschrauber in der zivi­len Luftrettung, bie­tet die Verstärkermaschine Christoph Mittelhessen vom Typ Airbus H 155 B1, der größ­te Hubschrauber in der zivi­len Luftrettung in Deutschland, eine höhe­re Zuladekapazität und Geschwindigkeit sowie eine grö­ße­re Kabine. Dadurch kann zusätz­li­ches ärzt­li­ches Personal mit­flie­gen, aber auch mehr medi­zi­ni­sches Equipment mit­ge­nom­men wer­den. Durch die grö­ße­re Reichweite sind mit dem Hubschrauber aus Reichelsheim Transporte quer durch die Republik ohne Tankstopp mög­lich.

Zu den Spezialtransporten von Intensivpatienten zäh­len Verlegungen infek­tiö­ser Patienten mit dem Infektionstransportschutzsystem IsoArk — wäh­rend der Corona-Pandemie bun­des­weit im Einsatz -, Inkubator-Transporte für die jüngs­ten und kleins­ten Patienten — die Frühchen — sowie Schwerlasttransporte für Patienten bis maxi­mal 350 kg Körpergewicht. Ein wei­te­res Spezialgebiet sind die soge­nann­ten ECMO-Transporte, bei denen schwerst­kran­ke Patienten durch mit Sauerstoff ange­rei­cher­tem Blut über eine Herz-Lungen-Maschine beatmet wer­den. 

Die erneu­te Verlängerung unse­rer Beauftragung in Hessen ist eine Bestätigung für die her­aus­ra­gen­de Arbeit, die unse­re Crews täg­lich leis­ten. Seit mehr als zwei Jahrzehnten sind wir ver­läss­li­cher Partner des Landes – und wir freu­en uns, die­se Zusammenarbeit wei­ter­zu­füh­ren. Die Beauftragung gibt unse­ren Mitarbeitenden die Planungssicherheit, die sie ver­die­nen, und stellt sicher, dass die Patientinnen und Patienten in Hessen auch künf­tig auf höchs­tem Niveau ver­sorgt wer­den. Das Dual-Use-System, das wir in Hessen betrei­ben, ist in die­ser Form ein­zig­ar­tig und es zeigt, was mög­lich ist, wenn her­vor­ra­gen­de Ausbildung, gro­ße Erfahrung und bes­te tech­ni­sche Ausstattung zusam­men­kom­men“, unter­streicht Meermann. 

Planungssicherheit für Menschen und Strukturen
Die gewach­se­nen Strukturen und ein­ge­spiel­ten Abläufe — von der Übernahme des Intensivpatienten in der abge­ben­den Klinik über den schnel­len und scho­nen­den Transport ohne Unterbrechung der Intensivbehandlung, bis hin zur sorg­fäl­ti­gen Übergabe in der Zielklinik — blei­ben erhal­ten. „Wir stre­ben immer die best­mög­li­che Behandlung für den Patienten an. Dazu zählt auch, dass wir mit ein­ge­spiel­ten Crews auf höchs­tem medi­zi­ni­schem Niveau arbei­ten. Neben unse­ren her­vor­ra­gend aus­ge­bil­de­ten HEMS-TC (erfah­re­ne Notfallsanitäter mit Zusatzqualifikation für den Flugbetrieb) sind es vor allem die Notärztinnen und Notärzte, die die hohe Qualität unse­rer Einsatzfähigkeit aus­ma­chen. Aus der Erfahrung mit unse­rer lang­jäh­ri­gen, ver­trau­ens­vol­len Zusammenarbeit mit der Klinik für Anästhesiologie, ope­ra­ti­ve Intensivmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Gießen & Marburg GmbH für den Standort Gießen sowie mit unse­ren Kooperationskliniken aus Hessen und Bayern für den Standort Reichelsheim, kann ich mit Stolz sagen, dass wir die bes­ten Ärztinnen und Ärzte auf unse­ren Hubschraubern ein­set­zen kön­nen. An sie wer­den höchs­te Ansprüche gestellt und denen wer­den sie auch gerecht. Alle sind bes­tens aus­ge­bil­det und ver­fü­gen über umfang­rei­che Erfahrung in den Bereichen Anästhesiologie und Notfallmedizin für Erwachsene und Kinder bis hin zu den Säuglingen und Frühgeborenen“, unter­streicht Mumi Taleb, Ärztlicher Leiter der Johanniter Luftrettung. Geschäftsführer Frank Zabell fügt hin­zu: „Nicht zu ver­ges­sen unse­re Piloten, die spe­zi­ell für die Ansprüche der Luftrettung aus- und wei­ter­ge­bil­det wur­den. Auch für ange­hen­de Berufspiloten, die wir teil­wei­se in unse­rer Flugschule der HELI-FLIGHT JLR gGmbH in Reichelsheim selbst aus­bil­den, bedeu­tet die Verlängerung Sicherheit auf ihrem Weg hin zu ihrem Traumberuf, den sie schließ­lich selbst finan­zie­ren. Ich selbst genie­ße es nach wie vor, wenn ich als Pilot Schichten auf dem Christoph Gießen über­neh­men kann. Für die Luftrettung zu flie­gen ist span­nend, her­aus­for­dernd und ein­fach etwas ganz Besonderes.“

Über 30 Jahre Kontinuität in Hessen, durch­schnitt­lich rund 1.400 Einsätze jähr­lich, deutsch­land­weit unter­wegs
Die Johanniter Luftrettung ist bereits seit dem Jahr 1995 in Hessen tätig. Seit dem Jahr 2003 führt sie im Auftrag des Landes luft­ge­bun­de­ne Intensivtransporte durch. Im Jahr 2014 hat die Johanniter Luftrettung ihren Schwerpunkt von Reichelsheim nach Gießen ver­legt und dort das Luftrettungszentrum eröff­net. Hier befin­det sich auch der Verwaltungssitz des Unternehmens, das for­mal ein unselb­stän­di­ger Teil der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. ist.

Der ITH Christoph Gießen ist rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr ein­satz­be­reit, der ITH Christoph Mittelhessen am Standort Reichelsheim im erwei­ter­ten Tagbetrieb von 9 Uhr bis 21 Uhr an 365 Tagen im Jahr. Auch benach­bar­te Bundesländer grei­fen bei Bedarf auf die hes­si­schen Intensivtransporthubschrauber der Johanniter Luftrettung zurück: für Intensiv- und Spezialtransporte, aber auch für Notfalleinsätze, ins­be­son­de­re in der Nacht.

Christoph Gießen ist seit 2019 im Schnitt zwi­schen rund 900 und etwas über 1.100 Einsätze jähr­lich geflo­gen. Also durch­schnitt­lich etwa drei Einsätze an einem 24-Stunden-Tag mit flug­taug­li­chen Wetterverhältnissen. Christoph Mittelhessen ist im Tagbetrieb in den letz­ten Jahren zwi­schen rund 700 und knapp 450-mal im Jahr im Einsatz gewe­sen. In der Summe nimmt die Anzahl der Einsätze in den letz­ten Jahren gering­fü­gig ab, was aber nichts über die Dauer oder die Komplexität der Verlegungen aus­sagt.

Medizinische Versorgung auf höchs­tem Niveau darf nicht dem Rotstift aus­ge­setzt wer­den
Bei aller Freude über die Verlängerung der Beauftragung in Hessen berei­ten die Reformpläne der Bundesregierung den Leistungserbringern im Rettungsdienst Sorgen: „Jetzt muss die Politik auf Bundesebene dafür Sorge tra­gen, dass die geplan­ten Einsparungen durch das bereits ver­ab­schie­de­te Krankenkassen-Beitragsstabilisierungsgesetz nicht auf dem Rücken des Rettungsdienstes aus­ge­tra­gen wer­den. Die Politik hat in die­sen Tagen die Chance, finan­zi­el­le Fehlsteuerung in der nun anste­hen­den Reform der Notfallversorgung wie­der zu kor­ri­gie­ren. Die Rettungsdienste, zu denen die Luftrettung zwei­fels­oh­ne gehört, leis­ten bereits heu­te einen wich­ti­gen Beitrag zur all­ge­mei­nen Daseinsvorsorge. Hier darf kei­nes­falls an der fal­schen Stelle der Rotstift ange­setzt wer­den, die Patientensicherheit muss auch in der Zukunft sicher­ge­stellt sein. Bei stei­gen­den Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Technik sowie höhe­ren Treibstoff- und Materialkosten kann die Vergütung nicht gede­ckelt oder gar ver­min­dert wer­den. Die tat­säch­li­chen Kosten des Rettungsdienstes und der Luftrettung müs­sen auch zukünf­tig voll­stän­dig refi­nan­ziert wer­den kön­nen. Darüber hin­aus sehen wir in der Johanniter-Unfall-Hilfe und auch in der Johanniter Luftrettung gro­ßes Potenzial, die Notfallversorgung durch die anste­hen­de Reform effi­zi­en­ter zu gestal­ten: Beispielsweise durch moder­ne Leitstellen, eine bes­se­re Patientensteuerung und den ziel­ge­rich­te­ten Einsatz vor­han­de­ner Ressourcen. Diese Reformen kön­nen ihre Wirkung jedoch nur ent­fal­ten, wenn die Finanzierung des Rettungsdienstes dau­er­haft gesi­chert ist“, mahnt Meermann.

Quelle: Pressemitteilung der Johanniter Luftrettung vom 11. September 2026

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