Medic Quadriga 2026

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr trai­nier­te in der Zeit vom 4. bis 7. März 2026 am Flughafen BER und in den Bundesländern Brandenburg sowie Berlin, wie im Nato-Bündnisfall Verwundete ver­sorgt und in umlie­gen­de Krankenhäuser gebracht wer­den kön­nen.

Ziel der Übung war es, die medi­zi­ni­sche Rettungskette rea­li­täts­nah zu erpro­ben – von der Versorgung Verwundeter im Einsatzgebiet bis zur Weiterbehandlung in deut­schen Krankenhäusern. Ein beson­de­rer Schwerpunkt war der Anteil Medic Quadriga, bei dem ein Massenanfall von Verwundeten in Litauen, ihr Transport nach Deutschland und ihre Verteilung auf inlän­di­sche Krankenhäuser in Zusammenarbeit mit zivi­len Hilfsorganisationen durch­ge­spielt wur­den.

Im und um den Expo-Center Airport am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) wur­de dazu ein tem­po­rä­rer Aufnahmepunkt (Hub) für „ver­wun­de­te“ Soldaten und Soldatinnen ein­ge­rich­tet. Dieser dien­te im Übungsgeschehen als Sichtungs- und Verteilpunkt für den Weitertransport in behan­deln­de Kliniken. Die Koordination erfolg­te in enger Zusammenarbeit mit den Ländern Berlin und Brandenburg, dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sowie zivi­len Hilfs- und Rettungsorganisationen. Sanitätskräfte der Bundeswehr, des Deutschen Roten Kreuzes, der Johanniter Unfallhilfe, des Malteser Hilfsdienstes und wei­te­rer Organisationen emp­fin­gen dazu 200 Übungsverwundete, bewer­te­ten ihren Zustand und ver­an­lass­ten ihren Weitertransport in Berliner und Brandenburger Krankenhäuser. Insgesamt waren hier und in Litauen rund 1.400 Kräfte betei­ligt. Eigentlich soll­te der MEDEVAC-Airbus für den Flug aus dem Baltikum ein­ge­setzt wer­den. Wegen der beson­de­ren Situation in der Nahostregion wur­de die­ser jedoch kurz­fris­tig für mög­li­che ech­te Missionen in Alarmbereitschaft ver­setzt. Auf dem Flughafen-Vorfeld stand aller­dings eine A400M, mit der die Übergabe von Patienten an zivi­le Krankenwagen geübt wur­de. Darüber hin­aus war ein wei­te­rer behelfs­mä­ßi­ger Landeplatz in der Nähe ein­ge­rich­tet wor­den. Die Krankenwagen brach­ten die Patienten dann für den Weitertransport zu den in der Nähe war­ten­den Rettungshubschraubern vor Ort oder dem zusätz­li­chen Landeplatz. Die ADAC Luftrettung, die DRF Luftrettung sowie das Bundesinnenministerium hat­ten fünf Maschinen der Typen EC 135 und H145 für Medic Quadriga bereit­ge­stellt. Bis auf Christoph 35 erhiel­ten die vier Hubschrauber der Luftretter vom ADAC und der DRF für die Übung die Funkrufnamen Christoph 112 bis Christoph 115. Das Übungsgeschehen ende­te erst in den Notaufnahmen der Krankenhäuser.

Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius hat­te sich am Freitag kurz­fris­tig für einen Besuch der Medic Quadriga ankün­digt. „Wir üben für den Ernstfall in Zeiten, in denen es ihn nicht gibt, um es im Ernstfall zu kön­nen“, erklär­te Pistorius. „Es gin­ge nicht dar­um, wann der Ernstfall ein­tritt, son­dern dar­um, vor­be­rei­tet zu sein, wenn er ein­tritt.“ Der Verteidigungsminister unter­strich dem­entspre­chend die Signalwirkung der Übung nach außen: „Indem wir so etwas üben, sen­den wir ein star­kes Zeichen ins Bündnis.“ Alliierte könn­ten durch Medic Quadriga sehen, dass die Bundeswehr genau das übt, wor­auf es im Ernstfall ankä­me. „Aber es ist auch ein Signal an einen mög­li­chen Aggressor im Sinne der Abschreckung“, ergänz­te der Minister.

Dass Medic Quadriga eine gesamt­staat­li­che Aufgabe ist, zeig­te sich auch in der Beteiligung der zivi­len Seite. Dr. Ina Czyborra, Gesundheitssenatorin von Berlin, war eben­falls vor Ort. Sie mach­te unmiss­ver­ständ­lich klar, was die Übung leis­tet und was sie nicht ist: „Die Medic Quadriga ist kein sym­bo­li­scher Akt, in dem wir in irgend­ei­ner Art und Weise PR betrei­ben, son­dern es ist wirk­lich eine Übung.“ Es gehe nicht um Dramatisierung, son­dern um Professionalisierung – und damit um Daseinsvorsorge: für die Bevölkerung eben­so wie für die Versorgung Verwundeter im Verteidigungsfall. Czyborra beton­te die gemein­sam ent­wi­ckel­ten Strukturen: „Wir üben die ver­schie­dens­ten Szenarien, Massenanfall von Verletzten sehr inten­siv. Es kommt dar­auf an, das her­aus­zu­fin­den, was nicht funk­tio­niert – wer was in wel­chem Fall zu tun hat, wer wo ent­schei­det. Bestimmte Debatten dür­fen nicht erst im Krisenfall anfan­gen.“

Copterweb.de hat im Nachgang zu der Übung das BBK und die betei­lig­ten Luftrettungsorganisationen um eine Einschätzung gebe­ten. Bislang haben wir nur vom BBK Antworten auf unse­re Fragen erhal­ten:

Copterweb.de: Welchen Eindruck hat­ten sie von den Tagen und wie bewer­ten sie die Übung?
BBK: „Die Übung hat gezeigt, dass die zivil-mili­tä­ri­sche Zusammenarbeit in Deutschland gut funk­tio­niert. Wie erwar­tet, ist mit zuneh­men­der Dauer das wech­sel­sei­ti­ge Verständnis – also das von der Bundeswehr für die zivi­len Belange und Besonderheiten und von den zivi­len Beteiligten für die der Bundeswehr – immer grö­ßer gewor­den. Die Übung war ein vol­ler Erfolg.“

Copterweb.de: Wie war die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und den ver­schie­de­nen Organisationen?
BBK: „Für das BBK ist die ebe­nen- und bereichs­über­grei­fen­de Zusammenarbeit täg­lich geleb­te Praxis. Im inte­grier­ten Hilfeleistungssystem der Bundesrepublik arbei­ten Bund, Länder und Kommunen mit den Hilfsorganisationen, dem THW und den Feuerwehren täg­lich zusam­men. Die Streitkräfte sind [eben­falls] immer wie­der in beson­de­ren Lagen ein­ge­bun­den. Insofern gab es ein soli­des Fundament für die Vorbereitung und Durchführung der Medic Quadriga 2026. Alle Beteiligten, die sich im Rahmen des so genann­ten „hot wash up“, also der Besprechung der Eindrücke unmit­tel­bar nach der Übung, geäu­ßert haben, lob­ten das kon­struk­tiv-kol­le­gi­al-kame­rad­schaft­li­che Zusammenwirken.“

Copterweb.de: Gibt es Verbesserungspotential und wenn ja, wo?
BBK:
„Die Übung hat – erwar­tungs­ge­mäß — bestä­tigt, dass das unmit­tel­bar prak­ti­sche Ausprobieren – das gemein­sa­me „Machen“ – uner­läss­lich ist, um Handlungssicherheit zu bekom­men und die Partner (bes­ser) zu ver­ste­hen. Wenig über­ra­schend ist daher auch der Wunsch, mög­lichst häu­fig wie­der gemein­sam zu üben.“

Konnten die Hubschrauber gut ein­ge­bun­den wer­den?
BBK: „Die Einbindung der Hubschrauber in die Übung [durch das Land Brandenburg] hat gezeigt, dass auch die gewerb­li­che Wirtschaft ihren Beitrag im Rahmen der Gesamtverteidigung leis­ten kann.“

Wir dan­ken dem BBK für die Rückmeldung und Antworten.

Abschließend noch ein paar Impressionen von der Übung:

Christoph 35 / D-HZSJ / Eurocopter EC135T2+
Christoph 112 / D-HBLN / Eurocopter EC135P2
Christoph 113 / D-HDEC / Eurocopter EC135P2
Christoph 114 / D-HDSV / Airbus BK117D-2 > BK117D-3
Christoph 115 / D-HXFK / Airbus BK117D-3

Autor: Rolf Klukowski und Werner Latten, Berlin

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