Fünf Tage lang drehte sich bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) 2026 wieder alles um die Luft- und Raumfahrt. Die ILA Berlin 2026 hat nach Angaben der Veranstalter ihre internationale Bedeutung weiter ausgebaut. Rund 110.000 Teilnehmende kamen in diesem Jahr zum BER, dem Flughafen der Hauptstadtregion – ein deutlicher Zuwachs gegenüber 2024. Auch das Interesse des privaten Publikums war groß: Trotz erhöhtem Ticketkontingent waren die Wochenendtickets frühzeitig ausverkauft. 765 Aussteller aus 37 Nationen präsentierten auf mehr als 200.000 Quadratmetern Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von klimaverträglicher Luftfahrt über Raumfahrttechnologien bis hin zu Sicherheit und Verteidigung. Mehr als 400 Rednerinnen und Redner diskutierten auf drei Bühnen zentrale Zukunftsfragen der Branche, während 330 Delegationen aus rund 60 Ländern die ILA für politischen Austausch und internationale Kooperationen nutzten. Etwa 100 Fluggeräte zeigten die gesamte Bandbreite der Luft- und Raumfahrt am Boden und in der Luft.
Marie-Christine von Hahn, Hauptgeschäftsführerin BDLI: “Diese ILA setzte ein kraftvolles Zeichen für unsere Industrie, unsere Mitglieder und den Luft- und Raumfahrtstandort Deutschland. Sie zog internationale Aufmerksamkeit auf eine Branche, die Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und technologische Souveränität prägt. Hunderte politische Gespräche, zahlreiche neue Partnerschaften und konkrete Vereinbarungen zeigen: Die Luft- und Raumfahrt ist sowohl Schlüsselindustrie als auch strategische Infrastruktur.”
Dirk Hoffmann, COO der Messe Berlin: „Die ILA Berlin 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, welche Innovationskraft in der Luft- und Raumfahrt steckt und wie groß das Interesse an den Zukunftstechnologien der Branche ist. Das Besucherplus und die internationale Beteiligung unterstreichen die Rolle der ILA als zentrale Plattform für Austausch, Geschäftsanbahnung und Inspiration.“
ILA unterstreicht strategische Bedeutung der Luft- und Raumfahrt
Die starke Präsenz von Politik, Industrie und internationalen Delegationen unterstrich die strategische Bedeutung der Luft- und Raumfahrt. Bundeskanzler Friedrich Merz eröffnete die ILA Berlin 2026 und stellte im Rahmen der Messe die neue Luftfahrtstrategie der Bundesregierung vor. In seiner Eröffnungsrede bezeichnete er die ILA als Messe, die „Zuversicht für einen neuen Aufbruch“ wecke. Deutschland präsentiere sich hier als ein Land, das mit Innovationen der zivilen und militärischen Luft- und Raumfahrt an der Weltspitze stehe.
Weiterhin eingeschränkte Fläche für das Static Display, aber interessantes Flugprogramm
Wie schon seit der ILA 2022 stand erwartungsgemäß aufgrund des Flugbetriebes am BER im Vergleich zu früheren ILA-Veranstaltungen erneut eine stark eingeschränkte Fläche für das Static-Display zur Verfügung. Wie schon vor zwei Jahren waren auf der diesjährigen ILA gut rund 100 Fluggeräten zu sehen. Die größte Einzelausstellerin war erneut die Bundeswehr mit mehr als 40 Exponaten aus Kampfjets, Hubschraubern, Transportflugzeugen, Drohnen, bodengebundenen Luftverteidigungssystemen und mit etwa 800 Bundeswehrangehörigen. Aber auch Airbus war mit zahlreichen Produkten wie dem Airbus Racer (dem Hochgeschwindigkeits-Hubschrauberdemonstrator), Airbus U145 (die unbemannte H145-Version), dem PioneerLab (zweimotoriger Technologiedemonstrator auf Basis einer H145-Plattform) und dem Airbus A350-1000 vertreten. Zu den Highlights im Flugprogramm der ILA Berlin zählte neben den Vorführungen der Bundeswehr (mit CH-53, NH90, Tiger, Eurofighter, Tornado sowie Airbus A400M) und dem Airbus Racer auch der erste Auftritt des Leonardo AW249 auf einer Messe.
Defence: Sicherheit, Drohnen und vernetzte Fähigkeiten
Im Segment Defence zeigte die ILA Berlin aktuelle Entwicklungen moderner Verteidigungstechnologien – von Luftverteidigung und vernetzter Operationsführung bis hin zu Künstlicher Intelligenz und unbemannten Systemen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Thema Drohnen: Der neue Drone Pavilion mit dem Drone Cage machte Anwendungen und Einsatzszenarien sichtbar und bot eine Plattform für den Austausch zwischen Herstellern, Streitkräften und politischen Entscheidern.
Racer — Airbus’ Hochgeschwindigkeitsdemonstrator
Der Racer ist ein Hochgeschwindigkeitshubschrauber-Demonstrator, der darauf abzielt, eine erhöhte Geschwindigkeit zu nutzen, um Betreibern einen erhöhten Mehrwert zu bieten. Die einfache und bewährte aerodynamische Formel strebt den besten Kompromiss zwischen Geschwindigkeit, Kosteneffizienz und Einsatzleistung an. Der Racer strebt zudem eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs von etwa 25 % im Vergleich zur aktuellen Hubschraubergeneration in derselben maximalen Startgewichtsklasse durch aerodynamische Optimierung und eines innovativen Eco-Antriebssystems an.
Der Racer baut auf dem Erfolg des X3-Demonstrators von Airbus Helicopters auf, der seinerzeit auf der ILA 2012 im Flugprogramm zu sehen war. Die aerodynamische Konfiguration des X3-Demonstrators kombinierte schon damals einen traditionellen Hauptrotor mit innovativen Seitenrotoren. Optimiert für eine Reisegeschwindigkeit von mehr als 400 km/h, verfügt der Racer über eine Vielzahl innovativer Technologien, darunter:
- Ein charakteristischer Kastenflügel, der auf aerodynamische Effizienz ausgelegt ist
- Ein hybrider Metall-Verbund-Rumpf, der für geringes Gewicht konzipiert ist
- Ein neuer Hochspannungs-Gleichstromgenerator
- Ein hinterer Rumpf mit asymmetrischem Querschnittsprofil, der darauf ausgelegt ist, die Schwebeleistung zu optimieren, ohne die Vorwärts- und Reiseflugphasen zu beeinträchtigen
Airbus U145, die unbemannte H145-Version
Der U145 wird als missionsunabhängige Lösung für zivile und militärische Anwendungen entwickelt – hauptsächlich für die Großladung – aber sein modulares Design unterstützt die Ausweitung in Rollen wie Katastrophenmanagement, Brandbekämpfung, bewaffnete Aufklärung, Überwachung und Drohnen-Mutterschiff-Funktionalität für luftgestützte Effekte. Airbus Helicopters präsentierte auf der Messe mit dem Modell U145 eine unbemannte Version der H145-Hubschrauberfamilie. Ein entsprechendes Mock-up, das bereits mit der fortschrittlichen Drohnenabwehrlösung von Quantum Systems ausgestattet ist, wurde der Öffentlichkeit im Static Display in Berlin vorgestellt.
PioneerLab
Das PioneerLab dient Airbus als fliegendes Forschungslabor für neue Technologien auf der Basis eines zweimotorigen Hubschraubers. Dank eines hybrid-elektrischen Antriebssystems und aerodynamischer Verbesserungen soll das PioneerLab eine Treibstoffreduzierung von bis zu 30% erreichen. Neueste digitale Technologien werden in das Flugsteuerungssystem des Hubschraubers integriert, um die Autonomie und Sicherheit bei Start und Landung zu erhöhen. An Bord des PioneerLabs werden Strukturkomponenten aus biobasierten und recycelten Materialien, die den ökologischen Fußabdruck über den gesamtrn Lebenszyklus des Hubschraubers verringern sollen.
Bei dem auf der Messe gezeigten PioneerLab handelt es um einen von vier Flugrotorlaboren, die von Airbus betrieben werden. Airbus testet mit diesem Hubschrauber ein aerodynamisches Verbesserungskit, das den Querschnitt des Heckauslegers verändert und den hinteren Rumpf neu gestaltet. Zusammen sollen die Modifikationen die Auftriebsleistung steigern und den Luftwiderstand verringern, was potenziell zu einer Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs sowie einer Steigerung von Nutzlast und Leistung führen kann. Um die Modifikationen zu testen, hat das Unternehmen Verbundverkleidungen hergestellt, die am Heckausleger und am hinteren Rumpf angebracht werden können. Ein modifiziertes Höhenleitwerk wurde ebenfalls hinzugefügt, der mit nach unten gebogenen Spitzen ausgestattet ist.
Leonardo präsentierte den AW249-Hubschrauber
Bei seinem dritten öffentlichen Auftritt innerhalb von zwei Jahren und dem ersten Auftritt auf einer Messe zeigte der AW249-Erkundungs- und Begleithubschrauber der nächsten Generation erstmals seine beeindruckenden Flugeigenschaften auf der ILA Berlin. Er gilt als einziger vollständig neu entwickelter Kampfhubschrauber der westlichen Welt und verbindet zukunftsweisende Sensorik mit vernetzter Einsatzführung und einer Auslegung für Multi-Domain-Operationen.
Die AW249 erfüllt eine Vielzahl von Aufgaben, darunter Luft- und Bodeneskortierung, Luftnahunterstützung, Nahkampfangriffe und Luftinterdiktion. Der Hubschrauber kann auch Aufklärungsoperationen durchführen, indem er als Informationsknoten innerhalb einer komplexen C4-Architektur (ISTAR) fungiert oder Überwachungssysteme an Bord oder kooperierender Einheiten nutzt, um das Gefechtsfeld zu scannen, eigene und gegnerische Bodeneinheiten für seinen eigenen Gebrauch zu identifizieren oder Informationen über einen sicheren Kanal an ein Kommando- und Kontrollzentrum weiterzugeben. Der AW249 ist mit einem flexiblen Waffensystem ausgestattet, das gelenkte und ungelenkte 70-mm-Raketen, Luft-Luft-Raketen und Luft-Boden-Raketen sowie eine 20-mm-3-Lauf-Gatling-Kanone umfasst. Mit einem maximalen Startgewicht von 8,3 Tonnen wird die AW249 entwickelt, um die AW129-Flotte der italienischen Armee zu ersetzen, die sich dem Ende ihres Lebenszyklus nähert. Dort soll die AW249 ab 2028 in Dienst gehen. 19 Exemplare hat Italien bislang fest bestellt, den Gesamtbedarf beziffern Industrie und Militär zunächst auf 48 Hubschrauber. Die Fenice-Serienproduktion läuft bereits, bis Ende 2029 sollen insoweit 17 Maschinen ausgeliefert sein. Ein AW249-Prototyp absolvierte im Sommer 2022 seinen Jungfernflug. Seitdem wurden vier Hubschrauber gebaut, von denen drei Vorserieneinheiten sind. Auf der ILA 2026 war der vierte Prototyp zu dehen. Das Programm trat Anfang dieses Jahres in die Endphase der Entwicklung und Kompetenzqualifikation ein. Als Nächstes werden Umweltversuche abgeschlossen, während die Fortschritte bei der Integration und Erprobung von Bewaffnung, Gefechtsmanagementsystemen und der Konfiguration der Mensch-Maschine-Schnittstelle fortgesetzt werden.
ILA- Rahmenvereinbarung für die Zeit bis 2030
Schon am 09.04.2024 wurde auf der damaligen gemeinsamen Kabinettssitzung des Senats von Berlin und der Landesregierung Brandenburg von beiden Ländern die Rahmenvereinbarung zur Durchführung der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) bis 2030 beschlossen.
Die nächste ILA Berlin findet vom 17. bis 21. Mai 2028 am Flughafen BER statt.
Abschließend noch einige Heli-Impressionen, die wir im Laufe der Tage sammeln konnten:
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Autor: Rolf Klukowski, Berlin unter Beachtung von Medien-Informationen der Messe-Berlin GmbH, des BDLI, Airbus Helicopters, Leonardo Helicopters sowie dem Presse- und Informationszentrum der Bundeswehr
















