Mehr schnel­le Hilfe aus der Luft in Sachsen

Die gemein­nüt­zi­ge ADAC Luftrettung baut ihr Leistungsspektrum in Sachsen wei­ter aus: Ab 1. Januar 2027 fliegt der Zwickauer Rettungshubschrauber „Christoph 46“ mit einer Rettungswinde. Zudem wer­den für die Stationen in Leipzig und Zwickau die Einsatzzeiten in den Herbst- und Wintermonaten erwei­tert. Derzeit absol­vie­ren die Besatzungen Windentrainings und wer­den für den Flug in der Dunkelheit mit Nachtsichtgerät vor­be­rei­tet. An bei­den Standorten kom­men künf­tig Hubschrauber des grö­ße­ren Typs H145 zum Einsatz.

Windentrainingswoche im Erzgebirge
Mit einer Rettungswinde kön­nen Patientinnen und Patienten in Notfällen künf­tig in schwer zugäng­li­chem Gelände, ins­be­son­de­re im Erzgebirge und im Vogtland, bes­ser erreicht wer­den. Um dafür vor­be­rei­tet zu sein, absol­vie­ren die Zwickauer Crews der ADAC Luftrettung sowie Einsatzkräfte der Bergwacht Sachsen zwi­schen Montag, 5. Oktober und Freitag, 9. Oktober, aus­ge­hend vom Sportpark Rabenberg im Erzgebirge, unter­schied­li­che Windeneinsatzszenarien. Im frei­en, engen und stei­len Gelände ste­hen Rettungsverfahren, die Kommunikation zwi­schen Cockpit und medi­zi­ni­scher Crew, das Abarbeiten stan­dar­di­sier­ter Checklisten und die Durchführung von Notverfahren auf dem Programm. Es wer­den unter ande­rem Rettungen mit Bergesack und Rettungsdreieck trai­niert. Sechs neue Luftretter der säch­si­schen Bergwacht aus dem Einsatzgebiet im Erzgebirge und Vogtland wer­den am Ende der Trainingswoche ihre Ausbildung am Windenseil abschlie­ßen.

Am Mittwoch, 7. Oktober, über­zeug­te sich Béla Bélafi, Präsident der Landesdirektion Sachsen, im Beisein von Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung, vor Ort von der Leistungsfähigkeit der Crews – und konn­te bei einem Mitflug aus nächs­ter Nähe die Komplexität sol­cher Spezialeinsätze mit­er­le­ben. „Wenn jede Minute zählt, darf Hilfe nicht am Weg schei­tern. Mit den neu ver­ge­be­nen Konzessionen sind die Weichen für eine ver­läss­li­che Luftrettung in Sachsen gestellt“, beton­te Béla Bélafi, Präsident der Landesdirektion Sachsen. Mit Blick auf das Training ergänz­te er: „Ich bin beein­druckt, mit wel­cher Einsatzbereitschaft und Professionalität die ehren­amt­li­chen Bergretter und die Hubschrauberbesatzung für den Ernstfall trai­nie­ren. Vor die­ser Leistung habe ich größ­ten Respekt. Es ist zugleich beru­hi­gend zu wis­sen, dass im Ernstfall eine so pro­fes­sio­nel­le Crew zur Stelle ist. Wenn es dar­auf ankommt, sind sie da. Vielen Dank dafür!“

Randzeitenerweiterung und Flug in der Dunkelheit
Warum ist eine Erweiterung der Einsatzzeiten sinn­voll? Während der spä­ten Nachmittags- und frü­hen Abendstunden steigt der Bedarf an schnel­ler Hilfe aus der Luft. Mit zuneh­men­der Müdigkeit und schlech­te­rer Sicht häu­fen sich die Unfälle im Verkehr, bei der Arbeit oder Sport. Gleichzeitig ent­steht durch die Veränderung der regio­na­len Krankenhauslandschaft eine Lücke in der Notfallversorgung, die durch die Luftretter geschlos­sen wird. Bislang konn­ten die Rettungshubschrauber von Sonnenaufgang, frü­hes­tens ab 7 Uhr, bis Sonnenuntergang alar­miert wer­den. Zukünftig kön­nen die drei säch­si­schen ADAC Rettungshubschrauber in den Herbst- und Wintermonaten bis 19 Uhr ein­ge­setzt wer­den. Um den Herausforderungen bei Dunkelheit gerecht zu wer­den, sind die Besatzungen mit moder­nen Nachtsichtbrillen als Teil des hoch­mo­der­nen Night Vision Imaging System (NVIS) aus­ge­stat­tet. Mit der Leistungserweiterung ist an den bei­den Luftrettungsstandorten zudem der Einsatz von Hubschraubern des Typs H145 vor­ge­se­hen. Diese Maschinen gewähr­leis­ten eine höhe­re Zuladung.

Landesdirektion Sachsen beauf­tragt ADAC Luftrettung erneut
Die Landesdirektion Sachsen, unter ande­rem zustän­dig für die Feuerwehren und Rettungsdienste, hat­te die Konzessionen für die Luftrettungsstationen in Leipzig und Zwickau nach einem euro­pa­wei­ten Vergabeverfahren im Mai 2026 erneut an die ADAC Luftrettung gGmbH ver­ge­ben. Die Verträge gel­ten ab 1. Januar 2027. Damit bleibt die gemein­nüt­zi­ge ADAC Luftrettung Betreiberin der drei Rettungshubschrauber an den bei­den Stationen: „Christoph 46“ in Zwickau sowie „Christoph 61“ und „Christoph 63“ in Leipzig bis 2045.

„Eine ver­läss­li­che Notfallversorgung braucht sta­bi­le, lang­fris­tig gesi­cher­te Strukturen. Die Beauftragung über fast zwei Jahrzehnte ermög­licht eine nach­hal­ti­ge Planung und sichert qua­li­fi­zier­te Teams. Erweiterte Einsatzzeiten und eine Rettungswinde ste­hen dort zur Verfügung, wo sie medi­zi­nisch erfor­der­lich sind. So wer­den die Qualität und Verfügbarkeit der Luftrettung in Sachsen dau­er­haft gestärkt“, lob­te Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung, die Entscheidung der Landesdirektion. Allein 2025 sind die flie­gen­den Gelben Engel ins­ge­samt zu 3314 Flügen in der Dunkelheit und Dämmerung gestar­tet. Die Zahl der hoch­spe­zia­li­sier­ten Einsätze mit Rettungswinde lag bun­des­weit im Jahr 2025 bei 580.

Die drei säch­si­schen ADAC Rettungshubschrauber im Überblick
Die ADAC Luftrettung betreibt in Sachsen zwei Luftrettungsstationen. An der Doppelstation in Dölzig, west­lich von Leipzig, ste­hen gleich zwei Rettungshubschrauber für die schnel­le Hilfe aus der Luft bereit. „Christoph 61“ flog im ver­gan­ge­nen Jahr zu 1139 Notfällen, wäh­rend „Christoph 63“ im sel­ben Zeitraum zu 993 Einsätzen star­te­te. Der in Zwickau am Heinrich-Braun-Klinikum sta­tio­nier­te „Christoph 46“ hob im Jahr 2025 zu 1482 Einsätzen ab – im Durchschnitt flie­gen die Crews in Sachsen damit rund zehn Einsätze am Tag. Die häu­figs­ten Einsatzgründe für die flie­gen­den Gelben Engel sind Unfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (jeweils 30 Prozent Anteil am Gesamteinsatzaufkommen).

Für den Betrieb der Winde ist eine vier­köp­fi­ge Besatzung nötig. Diese besteht aus einem Piloten, einem Notarzt, einem Notfallsanitäter (TC HEMS) sowie zusätz­lich einem Notfallsanitäter, der über eine Zusatzqualifikation für Flüge bei Dunkelheit (TC NVIS) und mit Winde (TC HHO) ver­fügt. Um den Crews best­mög­li­che Einsatzroutine und höchs­te Versorgungsqualität für Patienten zu gewähr­leis­ten, schreibt die ADAC Luftrettung ein Windentraining pro Crewmitglied im Jahr vor. Die Winde hat 90 Meter Länge und eine Traglast von rund 250 Kilogramm. Um mit der Winde noch schnel­ler beim Patienten zu sein, hat die ADAC Luftrettung 2022 als ers­te Organisation in Deutschland eine Winden-Sofortbereitschaft ein­ge­führt. Dadurch kön­nen die Crews auch in Zwickau ohne Umrüstung der Kabine und Zwischenlandung direkt nach der Alarmierung zu Windeneinsätzen flie­gen und haben so im Notfall bis zu zehn Minuten Zeitersparnis.

Die Windenhubschrauber ste­hen zudem in Katastrophenfällen zur Rettung von Menschen in Notsituationen zur Verfügung. Wie wich­tig die­se sind, zeig­te sich bei den Hochwassern im Ahrtal und in Süddeutschland.

Quelle: Pressemitteilung der ADAC Luftrettung gGmbH vom 7. Oktober 2026

Dieser Beitrag wurde unter Luftrettung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.